Doppelspiel

Einzelausstellung Galerie Anais, München 2019
Öl auf Karton, Leinwand, Alu-Dibond
Serien in unterschiedlichen Formaten

Serie 30/24
Serie 40/30
Serie 50/40
Serie 110/82

 

Zwei.
Am Anfang jeder Kunstbetrachtung stehen zwei − und ein jeder braucht sein Gegenüber: das Werk ebenso wie der Betrachter. Zwischen den Zweien: das Spiel aus Blick und Gegebenheit.
So weit. So vertraut.

 

 

 

 

 

 

Weit komplexer das Spiel, wenn das Werk in sich selbst schon ein Gegenüber hat, es in sich bereits ein Spiel der Bezüge spielt. Zwei Augen, zwei Bilder.

Das erlaubt kein Ausruhen. Fordert Blickpendeln. Vielleicht ein Suchen, ganz sicher ein Vergleichen. Gedoppelte Vorgabe, gedoppelte Bezüge. Unwillkürllch drängt sich der Gedanke auf an den Schaffenden: Zwei Bilder und vier Augen also. Gedoppeltes Spiel im doppelten Sinne. Schon beim Malen ein pendelndes, vergleichendes Sehen.
Suchen, Finden und erneutes Suchen. Kein Ruhen, sondern Reagieren.
Zwei Augen. Zwei Bilder. Zwei Augen.
So weit. So verworren vielschichtig.

 

 

 

 

 

 

Am Anfang jedes Kunstwerks steht ein Motiv. Ein Motiv im Sinne einer Abbildvorlage oder ein Motiv im Sinne einer Motivation − oder beides − in einer der unzähligen, uneindeutigen Mischungen, die möglich sind.

Für Claus Eisenschink steht am Anfang ein faszinierender Farbklang, dem er irgendwann, irgendwo einmal begegnet ist und den er als Foto oder Erinnerung mit sich herumträgt. Er ist ihm gleichermaßen Motivation wie Ausgangspunkt, ohne jedoch Vorlage zu sein. Heißt: eine erste Annäherung an jenen Farbklang ist konkreter Auftakt für das Bild und der Wunsch, dem Klang so nahe wie möglich zu kommen, die treibende Kraft beim Malen; trotzdem steht keineswegs fest, dass mehr als ein zarter Nachhall dieses Farbklangs auch im fertigen Werk zu finden ist.

Malen ist bei Eisenschink eine Suche, deren Ziel nicht das Finden des Gesuchten ist. Es ist ein mit großem Ernst gespieltes Spiel, an dessen Ende hier zwei neue Farbklänge stehen, die − vielschichtig miteinander verschränkt − einander bedingen und herausfordern. Sie sind dem Ausgangsklang so nahe wie möglich und so fern davon, wie das Spiel ihres Entstehens es notwendig macht.

In diesem Spiel reagiert die erste Schicht auf den erinnerten Farbklang, die zweite Schicht auf die erste, die dritte auf die zweite und so fort. Eine jede Schicht wird mit dem Rakel in einer einzigen Bewegung aufgetragen und die Zeit, die der Ölfarbe zum Trocknen gelassen wird, bestimmt mit, wie weit untere Schichten in die neu aufgetragene hineinspielen dürfen. Dabei reagiert das eine Bild natürlich auf das andere, manchmal wirklich parallel, manchmal in einem nacheinander gesetzten Prozess − wobei sich in jedem Fall ein Doppel der Bezüge ergibt, bei dem jede Schicht (hier wie dort) zum neuen Ausgangspunkt (dort wie hier) wird.

Es ist ein Doppelspiel zwischen Künstler und Leinwand, zwischen den Schichten (nach oben und nach unten) und ein Ringen um das Gleichgewicht zwischen den Bildern. Es ist ein Spiel zwischen Regeln und Regellosigkeit. Harmonie und Kontrast. Zerstörung und Stehenlassen. Zwischen Farbe als Klang und Farbe als Material. Zwischen Durchlässigkeit und Dichte.
Verbergen und Aufreißen. Einlassen und Aussperren. Tiefe und Oberfläche. Es ist ein Spiel zwischen Grundidee und Prozess. Zwischen perfektion und Brüchigkeit. Bewegung und Stillstand. Und, in letzter Konsequenz, ist es ein Doppelspiel zwischen der Spur, der Claus Eisenschink beim Malen folgt und der Spur, die er beim Malen für den Betrachter hinterlässt. Doppeltes Doppelspiel zwischen Gegebenheit und Blick. Das Spielende für den Maler wird zum Spielbeginn zwischen Betrachter und Bildpaar an der Wand.

Zwei Bilder, zwei Augen.
So weit. So vielschichtig.
So gut.

Marion Oelmann

 

 

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